Allgemein·6 Min. Lesezeit

KI-BEO, 10. Oktober 2026


Diese Woche hat es gleich mehrere Schweizer Dienste getroffen. Die Handelsplattform Ricardo meldet einen Datenabfluss bei rund 890’000 Nutzerkonten. Über den Software-Dienstleister PK Softech prüfen mehrere Schweizer Pensionskassen mögliche Abflüsse. Und beim britischen Modehändler Asos kam der Angriff als gefälschte Push-Nachricht über die eigene App.

Das klingt nach einer ungewöhnlich dichten Woche. Es ist leider kein Zufall.


Was diese Woche passiert ist

Ricardo. Die bekannteste Schweizer Online-Handelsplattform meldet, dass bei rund 890’000 Nutzerkonten Daten abgeflossen sind. Die verdächtige Aktivität wurde am 7. Oktober 2026 entdeckt, die Lücke laut Ricardo vollständig geschlossen. Abgeflossen sind Namen, Postadressen und Telefonnummern; bei Geschäftskonten zusätzlich Firmennamen. E-Mail-Adressen und Passwörter wurden laut Ricardo nicht offengelegt. Ricardo hat den Vorfall dem Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB) gemeldet, plant eine Strafanzeige und eine Meldung an das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS). Betroffene Nutzerinnen und Nutzer werden informiert. (Quellen: Netzwoche CH, Inside IT CH, 09.10.2026.)

PK Softech und mehrere Schweizer Pensionskassen. Ein Cyberangriff auf den Software-Dienstleister PK Softech, der Software für die Pensionskassenverwaltung bereitstellt, führt dazu, dass mehrere Schweizer Pensionskassen mögliche Datenabflüsse prüfen. Laut Inside IT sind darunter die Bernische Lehrerversicherungskasse (rund 21’400 Versicherte), die Bernische Pensionskasse (rund 42’100), die Migros-Pensionskasse (rund 75’500), die Pensionskasse Post (rund 37’500), die Syngenta Pensionskasse (rund 5’000) und Publica, die Pensionskasse des Bundes. Wichtig: Es handelt sich um eine laufende Prüfung, keinen bestätigten Massenabfluss aller Versichertendaten. Die Bundesanwaltschaft ermittelt, Strafanzeigen wurden erstattet. (Quelle: Inside IT CH, 09.10.2026.)

Asos. Der britische Online-Modehändler Asos bestätigt ein Datenleck. Angreifer verschickten eine gefälschte Push-Benachrichtigung mit dem Titel «ASOS HACKED» über die offizielle App. Asos bestätigt «unbefugte Aktivitäten auf Drittanbieter-Plattformen». Möglicherweise betroffen: Namen und Kontaktdaten. Zahlungsdaten und Passwörter waren nach bisherigem Stand sicher. Asos empfiehlt, die Nachricht zu ignorieren und den Link nicht anzuklicken. (Quelle: Netzwoche CH, 09.10.2026.)


Das eigentliche Risiko kommt danach

Diese drei Fälle haben einen gemeinsamen Nenner: In keinem davon sind laut den Quellen Passwörter oder Zahlungsdaten der Nutzerinnen und Nutzer der Kern des Abflusses. Abgeflossen sind in erster Linie Kontaktdaten: Name, Adresse, Telefonnummer.

Das klingt weniger schlimm. Es ist aber genug für eine sehr glaubwürdige Betrugsmasche.

Mit deinem Namen, deiner Adresse und deiner Telefonnummer kann jemand eine Nachricht schreiben, die so aussieht, als käme sie von Ricardo: «Aus Sicherheitsgründen musst du dein Konto in den nächsten 24 Stunden bestätigen.» Oder ein Anruf, der sich als Ricardo-Support ausgibt und deinen vollständigen Namen und deine Adresse kennt. Diese Nachricht oder dieser Anruf ist nicht zufällig. Sie arbeiten mit echten Daten.

Das ist das Muster, das sich durch alle drei Fälle zieht: Das Leck selbst verursacht selten den direkten Schaden. Der Schaden entsteht durch den Betrug, der danach kommt.


Warum das heute überzeugender geworden ist

Eine Einordnung, kein Befund zu diesen konkreten Fällen: Weder bei Ricardo noch bei PK Softech oder Asos gibt es einen belegten Zusammenhang mit dem Einsatz von KI-Werkzeugen durch die Angreifer. Aber die allgemeine Entwicklung ist bekannt und relevant.

Mit echten Kontaktdaten lassen sich Betrugs-E-Mails und SMS heute mit KI schneller, persönlicher und sprachlich sauberer formulieren als noch vor wenigen Jahren. Die alte Faustregel «schlechtes Deutsch entlarvt Betrug» gilt nicht mehr zuverlässig. Und auch täuschend echte Anrufe sind möglich, bei denen Stimme und Tonfall kaum von einer echten Person zu unterscheiden sind. (Wir haben das am 7. Oktober genauer beschrieben, im Beitrag über KI-gestützte Anrufe.)

Das macht nachdenklich. Es ist kein Grund zur Panik. Es ist ein Grund, bei unerwarteten Nachrichten kurz innezuhalten.


Das Asos-Bild: Der gefährliche Teil ist oft die Nachricht danach

Das Asos-Beispiel zeigt anschaulich, was damit gemeint ist. Der eigentliche Angriff war nicht der Einbruch in die Datenbank allein. Der gefährliche Teil war die gefälschte Push-Benachrichtigung, die danach über die echte App verschickt wurde. Wer sie empfing, konnte allein am Aussehen nicht erkennen, dass sie gefälscht war.

Das ist das Bild, das man im Hinterkopf behalten sollte: Ein Datenleck ist wie ein verlorenes Adressbuch. Ärgerlich, aber dein Gerät und dein Konto sind deswegen nicht offen. Gefährlich wird es erst, wenn jemand mit den Daten aus dem Adressbuch eine sehr glaubwürdige Nachricht schickt. Dann zählt, ob du zweimal hinschaust, bevor du klickst.


Was das für Betriebe heisst

Der PK-Softech-Fall zeigt noch etwas, das für kleine und mittlere Betriebe besonders relevant ist: Du bist oft nicht über deine eigene IT betroffen, sondern über einen Dienstleister.

Ricardo, PK Softech, Asos: Keines davon ist die eigene Infrastruktur deines Betriebs. Trotzdem können deine Kundendaten, deine Mitarbeiterdaten oder deine eigenen Daten als Versicherte betroffen sein.

Das lohnt die Frage: Welche Dienstleister halten eigentlich Kunden- oder Personaldaten meines Betriebs? Wer die eigene IT absichert, aber die Software-Lieferkette nicht im Blick hat, hat eine Lücke.

Und: Sensibilisiere dein Team für die Betrugsmasche nach einem Leck. Besonders bei Zahlungsänderungen oder Anfragen zu Kontodaten lohnt ein zweiter Kanal zur Verifikation.


Was wirklich schützt

Das Gute: Die wirksamsten Massnahmen sind gratis und einfach.

Bei unerwarteten Nachrichten und Anrufen skeptisch bleiben. Besonders wenn sie Druck erzeugen: «Dein Konto wird gesperrt», «Bestätige jetzt», «Letzte Warnung». Je dringlicher die Aufforderung, desto mehr lohnt ein zweiter Blick.

Nie dem Link oder der Rückrufnummer aus der Nachricht folgen. Wenn du prüfen willst, ob eine Nachricht von Ricardo, deiner Pensionskasse oder deiner Bank echt ist, ruf die Nummer an, die du selbst kennst, oder geh direkt auf die Website, die du selbst tippst.

Zwei-Faktor-Schutz aktivieren. Auch wenn dein Passwort bei einem anderen Anbieter bekannt wäre, braucht ein Angreifer dann trotzdem noch den zweiten Faktor.

Für jeden Dienst ein eigenes Passwort. Am einfachsten mit einem Passwortmanager. So schadet ein Leck bei einem Anbieter nicht gleich auch allen anderen Konten.


Ehrlich gesagt

KI-BEO rät nicht, jetzt aus Angst alle Konten zu löschen oder teure Schutzsoftware zu kaufen. Die vier Punkte oben sind gratis, brauchen keine Installation und schützen mehr als jedes Zusatzprodukt.

Das Unbequeme: Du kannst nicht verhindern, dass deine Daten bei einem Anbieter abfliessen. Aber du kannst verhindern, dass daraus ein Schaden wird.


In zwanzig Minuten klären, welche Dienstleister deine Daten halten

Wenn du wissen möchtest, wie du und dein Team Betrugsnachrichten nach einem Datenleck erkennst, oder welche Dienstleister welche Daten deines Betriebs halten: Wir klären das gerne in einem kurzen Gespräch, ohne Verpflichtung. ki-beo.ch


Quellen

  • Netzwoche (CH): Ricardo meldet Datenabfluss bei 890’000 Userkonten, 09.10.2026. https://www.netzwoche.ch/news/2026-10-09/ricardo-meldet-datenabfluss-bei-890000-userkonten
  • Inside IT (CH): Cybervorfall bei Online-Auktionshaus Ricardo, 09.10.2026. https://www.inside-it.ch/cybervorfall-bei-online-auktionshaus-ricardo-20261009
  • Inside IT (CH): Weitere Pensionskassen prüfen Datenabflüsse, 09.10.2026. https://www.inside-it.ch/weitere-pensionskassen-pruefen-datenabfluesse-20261009
  • Netzwoche (CH): Asos bestätigt Datenleck nach gefälschter Push-Nachricht, 09.10.2026. https://www.netzwoche.ch/news/2026-10-09/asos-bestaetigt-datenleck-nach-gefaelschter-push-nachricht

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Emanuel Schmid
Inhaber von EIL in Spiez — hilft KMU im Berner Oberland, KI datenschutzkonform einzusetzen.