Allgemein·6 Min. Lesezeit

KI-BEO, 12. September 2026


Wer ChatGPT, Gemini oder Claude regelmässig nutzt, gibt diesen Diensten mehr preis, als oft bewusst ist. Heute zwei Blickwinkel auf dasselbe Thema: Was speichern diese Werkzeuge still über dich, und wie holst du die Kontrolle zurück? Und: Was wirst du aktiv preisgeben müssen, wenn du bestimmte Dienste weiter nutzen willst?


Was ChatGPT, Gemini und Claude über dich speichern und wie du es löschst

Die drei grossen KI-Chatbots haben eine Gedächtnisfunktion. Wenn sie aktiviert ist, merkt sich der Dienst mit der Zeit, was du tust: Interessen und Nutzungsmuster, Angaben zu deiner Arbeit, deinen ungefähren Standort, Informationen zu deinem Umfeld, technische Gerätedaten wie Browser, Betriebssystem und Gerätetyp, sowie Verhaltens- und Kommunikationsmuster. Darunter können auch abgeleitete Informationen sein, also Dinge, die der Dienst aus deinen Eingaben erschlossen hat, ohne dass du sie direkt angegeben hättest.

Das klingt im ersten Moment mehr nach Überwachung als nach Hilfe. Die nüchterne Einordnung: Diese Funktion ist darauf ausgelegt, die Antworten für dich relevanter zu machen. Aber du solltest wissen, wo der Schalter sitzt.

So schaust du nach und löschst (laut t3n, Stand des Artikels; Menüpfade können sich bei Produkt-Updates ändern):

  • ChatGPT: Einstellungen → Personalisierung → Bereich «Erinnerungen»: einzelne Einträge ansehen, löschen oder die Funktion ganz abschalten.
  • Google Gemini: Einstellungen → «Persönlicher Kontext» → Einträge über das Drei-Punkte-Menü löschen. Zusätzlich kannst du die «Aktivitäten in Gemini-Apps» (Verlauf) separat löschen.
  • Claude: Einstellungen → Features → «Deine Gedächtnisdateien»: Einträge einzeln verwalten oder alle auf einmal löschen; Option, die Funktion zu deaktivieren und dabei alle gespeicherten Daten zu entfernen.

Für einen Betrieb bedeutet das: Wenn Mitarbeitende diese Werkzeuge im Alltag nutzen, für Texte, Zusammenfassungen, Recherchen, baut der Dienst im Hintergrund ein Profil auf. Sobald Kundendaten, Personendaten oder Geschäftsinterna im Spiel sind, ist das relevant. Was einmal in ein Profil eingeflossen ist, kann später in Antworten wieder auftauchen.

Die KI-BEO-Haltung: Schau nach, was gespeichert ist. Lösch, was nicht hingehört. Entscheid bewusst, ob die Gedächtnisfunktion für deinen Einsatz eingeschaltet sein soll.

Ehrlicher Einschub: Diesen Handgriff kann jede und jeder in wenigen Minuten selbst erledigen. Dafür braucht es keine Beratung. Beratung lohnt sich erst, wenn es um den systematischen Umgang mit Personen- und Kundendaten in KI-Werkzeugen über den ganzen Betrieb geht: Welche Werkzeuge sind erlaubt? Was darf eingetippt werden? Wer ist verantwortlich?

(Hinweis: Die Menüpfade und Bezeichnungen sind t3n-Angaben vom Stand des Artikels, ursprünglich 2026-07-28, im Feed erneut vom 11.09.2026. Sie können sich nach Produkt-Updates ändern. Kein Schritt-für-Schritt-Versprechen.)


Die andere Seite: Was du der KI aktiv geben sollst. Die Altersprüfung bei Claude.

Neben dem, was KI still speichert, rückt eine andere Frage näher: Was wirst du KI-Anbietern künftig aktiv geben müssen?

Anthropic, die Firma hinter Claude, verlangt für die Consumer-Version des Dienstes (claude.ai und Apps) ein Mindestalter von 18 Jahren und führt dafür eine Altersprüfung ein. Das ist laut einem Bericht von Dr. Web (11.09.2026) und mehreren Gegenquellen keine neue Entwicklung: Die Prüfung startete am 8. Juli 2026. Der Dr.-Web-Bericht vom 11.09. berichtet über diese Entwicklung, nicht über einen aktuellen Start.

Die möglichen Prüfwege laut Berichten: Alterschätzung per Selfie (Gesichtsanalyse, umgesetzt über den Dienst Yoti), Upload eines amtlichen Ausweises (umgesetzt über den Dienst Persona), oder ein vorverifizierter «Yoti Digital ID»-Account. Die Business-Varianten, also Claude for Work, Team und Enterprise sowie der API-Zugang, sind laut Berichten von dieser Consumer-Prüfung ausgenommen.

Die Treiber sind regulatorisch: australische Altersgrenzen, der EU Digital Services Act, Haftungsdruck verschiedener US-Bundesstaaten und der Schutz biometrischer Daten nach DSGVO Artikel 9.

Die ruhige Abwägung:

Biometrische Daten (ein Gesichtsbild) und Ausweiskopien gehören zu den sensibelsten Datenkategorien, die das revidierte Schweizer Datenschutzgesetz (revDSG) und die DSGVO kennen. Wenn ein Dienst so etwas verlangt, lohnen sich drei Fragen:

  1. Wer führt die Prüfung durch? Ein spezialisierter Drittanbieter statt der KI-Firma selbst kann datenschutzfreundlicher sein.
  2. Was passiert mit dem Bild? Sofortige Löschung nach der Prüfung oder dauerhafte Speicherung?
  3. Ist für den betrieblichen Einsatz ohnehin die Business-Variante die richtigere Wahl?

Laut Berichten löscht Yoti biometrische Daten direkt nach der Prüfung und meldet Anthropic nur ein «bestanden/nicht bestanden». Das sind Anbieter- und Berichtsangaben; unabhängig geprüft sind sie nicht.

(Hinweis: Ob und wie diese Altersprüfung in der Schweiz ausgerollt wird, ist aus den vorliegenden Berichten nicht eindeutig ableitbar. Die Artikel nennen Australien, EU und USA als Kontext. Für den eigenen Einsatz direkt beim Anbieter nachschauen. Dies ist keine Rechtsberatung.)

KI-BEO-Haltung: nüchtern abwägen statt reflexhaft zustimmen oder pauschal ablehnen.


Auch gesehen: Vergessene Systeme als Angriffsfläche

Kurz und ohne Ausschmückung: Laut einem Bericht von t3n (Wolfgang Stieler, 11.09.2026; Volltext hinter t3n-Plus-Paywall, nur der frei sichtbare Anrisstext liegt vor) wird veraltete Software zu einer wachsenden Sicherheitslast. Wer über Jahre digitale Infrastruktur aufbaut, sammelt auch Alt-Software, ungenutzte Zugänge und nicht gewartete Server an. Automatisierte, KI-gestützte Angriffe finden solche Altlasten heute schneller als früher.

Ruhiger Handgriff, kein Aktionismus: Einmal Inventur machen, welche Systeme, Konten und Zugänge in deinem Betrieb eigentlich noch mitlaufen. Ungenutztes abschalten. Den Rest gestaffelt aktuell halten, mit Rückfallplan, nicht als blinden Nacht-Patch. Die RDP-Lehre vom 11.09. gilt weiterhin: gestaffelt patchen, vorher sichern.

(Quelle: t3n-Anrisstext; Volltext hinter t3n-Plus-Paywall. Die Einordnung zur praktischen Massnahme ist Analytiker-Perspektive, kein Artikelzitat.)


Fazit

Zwei Seiten derselben Frage heute: Was weiss die KI schon über dich, und was sollst du ihr als nächstes geben? Beides lässt sich nüchtern und ohne Panikmache angehen. Schau einmal nach, was gespeichert ist. Überleg dir, was du preisgibst. Und halte im Betrieb fest, welche Werkzeuge mit welchen Einstellungen laufen.

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Quellen

  • t3n (Marvin Fuhrmann): Was ChatGPT, Gemini und Claude über dich wissen — und wie du es löschst, Feed 11.09.2026 (Artikel ursprünglich 2026-07-28, aktualisiert) — t3n.de
  • Dr. Web (Michael Dobler): Claude nur noch ab 18: Anthropic prüft das Alter per Selfie oder Ausweis, 11.09.2026 — drweb.de
  • Anthropic Help Center: Age assurance on Claudesupport.claude.com
  • t3n (Wolfgang Stieler): IT-Sicherheit: Wie veraltete Software Hackern und KI-Angreifern das Leben erleichtert, 11.09.2026 — t3n.de (Volltext hinter t3n-Plus-Paywall, nur Anrisstext verwendet)

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Emanuel Schmid
Inhaber von EIL in Spiez — hilft KMU im Berner Oberland, KI datenschutzkonform einzusetzen.